Dithmarschens Historie
Erstmalig wurde Dithmarschen im Jahre 782 n.Chr. unter dem Namen "Thiadmarsgaho" erwähnt. Übersetzt: Gau der großen Niederung (Thiad = Volk, mari = Niederung, gaho = Gau). Später im Jahre 810 n. Chr. erscheint der Name Dithmarschen als "Tetmarsgo" in den Chroniken.
Schon seit Jahrhunderten saßen die Dithmarscher in dem fruchtbaren Marschgebiet und der mageren Geest zwischen der Nordsee sowie den Flüssen Eider und Elbe. Sie hatten das Land mit zähem Fleiß eingedeicht und stattliche Höfe errichtet. Überall herrschten Wohlstand und ein gewisser Reichtum. Wie in den germanischen Dörfern wohnten die Sippengenossen noch vielfach geschlossen in eigenen Dörfern.
In den letzten 2000 Jahren hat Dithmarschen auf der Seeseite durch Anlandung und Deichbau immer wieder Land dazu bekommen. Es ist laufend etwas größer geworden. Heute hat der Kreis Dithmarschen eine Größe von 1404,82 qkm. In diesem Gebiet leben ca. 137.200 Menschen in fünf Städten (Heide, Meldorf, Marne, Wesselburen und Brunsbüttel) und 112 Gemeinden.
Die ältesten Einwohner Dithmarschens waren wohl die Teutonen, die hier um die Zeitenwende lebten. Ihnen folgten die Sachsen. Sie wurden Ende des 8. Jahrhunderts von den Franken unter Karl dem Großen unterworfen und zum Christentum bekehrt. Nach Beendigung der sogenannten Sachsenkriege war Dithmarschen ein Gau im Reiche Karls des Großen.
Die Dithmarscher standen damals zwar unter der Oberhoheit des Erzbischofs von Bremen, regierten sich aber selbst. Die Landesversammlung aller freien Männer tagte in Meldorf. Sie beschloss über Krieg und Frieden und entschied auch über alle anderen Angelegenheiten des Bauernstaates. Im Jahre 1447 übernahm der Rat der Achtundvierziger die Regierung in Dithmarschen. 48 Bauern wurden als Regenten auf Lebenszeit gewählt. Die Würde des Regenten ging meistens vom Vater auf den Sohn über. Die Tagungen der Regenten fanden in Heide statt. Damit hatte sich der Hauptsitz der Bauernrepublik Dithmarschen von Meldorf nach Heide verlagert.
Die holsteinischen Landesherren trachteten immer wieder danach, die Dithmarscher zu unterwerfen. Sie wollten an dem Reichtum der Bauernrepublik teilhaben. Im Jahre 1319 wurde Graf Gerhard der Große von den Dithmarscher Bauern vertrieben. Graf Gerhard aus dem Hause der Schauenburger marschierte mit seinen holsteinischen Kriegern über Hemmingstedt bis nach Wöhrden. Es kam zu schweren Kämpfen, bei denen ein Trupp Dithmarscher in der Kirche eingeschlossen wurde. Der Feind verweigerte jegliche Verhandlungen und zündete die Kirche an. Die Eingeschlossenen brachen aus und fielen über die Belagerer her, die schon mit der Plünderung des Ortes beschäftigt waren. Die Büsumer kamen noch rechtzeitig zur Hilfe und Gerhard erlitt eine schwere Niederlage. Er floh mit dem Rest seiner Truppe aus Dithmarschen. Im Jahre 1404 wurde Dithmarschen erneut überfallen. Es war der Herzog Gerhard der VI. Er fand mit 300 Rittern in der Süderhamme den Tod. Danach konnten die Dithmarscher lange Zeit ihrer friedlichen Arbeit nachgehen.
Der Dänenkönig Johann und sein Bruder Herzog Friedrich I. von Gottorp beschlossen im Jahre 1500 Dithmarschen zu erobern. Das Fürstenheer soll 2000 schwer gepanzerte Ritter und 7000 Mann Fußvolk (Bauern und Bürger aus Schleswig-Holstein) gezählt haben. Dazu hatten die Fürsten die "Schwarze Garde" angeworben. Diese Söldnertruppe wurde von Junker Slenz angeführt. Dem 15000 Mann starken Heer des dänischen Königs und des schleswigschen Herzogs standen nur 6000 Dithmarscher gegenüber. Im Februar eroberten die Fürsten die unbefestigte Stadt Meldorf und plünderten sie gründlich. Viele Einwohner wurden erschlagen, auch Frauen und Kinder. Das Dithmarscher Heer stand zwischen Meldorf und Heide in der Nähe der Ortschaft Wöhrden. Den alten Heerweg zwischen den beiden Städten hatten die Dithmarscher durch eine eilig aufgeworfene Schanze gesperrt und mit Kanonen bestückt. 500 Bauern unter der Führung von Wulf Isebrand hielten die Schanze besetzt. In einem deutschen Geschichtsbuch wird der Verlauf der Schlacht wie folgt geschildert:
"Seit drei Tagen herrscht Tauwetter. Der Nordweststurm treibt Regen, Schnee und Hagel über das nasse Land. Es ist der Morgen des 17. Februar 1500. Der Führer des schleswig-holsteinischen Heeres rät den Fürsten den Angriff zu verschieben. Doch der Dänenkönig befiehlt den Abmarsch aus Meldorf. Die Schwarze Garde setzt sich an die Spitze. Ihr voran reitet der riesige Junker Slenz in einem gold glänzenden Harnisch. Schwer stampft sein Pferd durch den Straßenschlamm. Weithin hört man den Ruf seiner Söldner: "Wohr di Buer, de Gar de kümmt !" Der Schwarzen Garde folgen die Mannschaften aus den schleswig-holsteinischen Städten und Dörfern. Den Schluss bilden die Ritter, bei denen sich die beiden Fürsten befinden.
Nur mühsam bewegt sich die Heeresschlange vorwärts. Immer wieder peitscht ihnen der Sturm Schnee und Hagel ins Gesicht; immer tiefer versinken die Füße im Schlamm. Das Heer nähert sich der Schanze. Dichter Nebel behindert die Sicht. Plötzlich schlagen Kanonenkugeln in die dichten Reihen der Garde. Wulf Isebrands Geschütze haben das Feuer eröffnet. Nun lässt auch Junker Slenz seine Geschütze vorziehen. Er will sie auf den Fennen neben der Straße in Stellung bringen. Aber hier steigt das Wasser schnell, denn die Dithmarscher haben die Seeschleusen geöffnet. Nun treibt der Sturm die Fluten der Nordsee über das weite, flache Land. Hilflos ist das Fürstenheer auf der Straße festgebannt.
Mit dem Ruf: "Hilf, Maria, hilf !" brechen nun die Dithmarscher aus der Schanze hervor. Sie werfen ihre Rüstung ab und ziehen die schweren Stiefel aus. Dann schwingen sie sich mit ihren langen Stöcken über die Gräben und stechen mit ihren Lanzen von den Fennen aus auf Ross und Reiter ein. "Wohr di Gar, de Buer de kümmt !" hallt es schaurig durch den Sturm. Junker Slenz zieht sein langes Schwert und fordert den stärksten Dithmarscher zum Zweikampf heraus. Da springt der riesige Reimer von Wiemerstedt über den Graben und rennt Junker Slenz seine Hellebarde in die Brust. Nun wendet sich das ganze Fürstenheer zur Flucht, aber viele können sich nicht mehr retten. Von den 200 Fehmeranern, die an der Schlacht teilnahmen, sollen nur 14 zurückgekehrt sein. Nur mit Mühe erreichen der König und der Herzog Meldorf und fliehen auf heimlichen Wegen nach Holstein."
Die Dithmarscher hatten ihre Freiheit gerettet. Etwa 3000 Packwagen mit unermesslicher Beute an Waffen, Kleidern, Gold, Silber und Tausende von Reit- und Spannpferden waren ihnen in die Hände gefallen. Dieser große Sieg wurde im Land und auch außerhalb in vielen Liedern gefeiert. Er verschaffte dem Dithmarscher Bauernstaat über 50 Jahre äußeren Frieden. Zum Gedenken an die Schlacht bei Hemmingstedt wurde etwa 400 Jahre später auf der Dusenddüwelswarft ein Denkmal errichtet.
Fortsetzung folgt ....